Insolvenzverschleppung

Definition

Grunddefinition

Insolvenzverschleppung ist das schuldhafte Versäumen der rechtzeitigen Stellung eines Insolvenzantrags durch Geschäftsführer oder Vorstände einer juristischen Person trotz eingetretener Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, was strafrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Detaillierte Erklärung

Insolvenzverschleppung bezeichnet im deutschen Insolvenzrecht das schuldhafte Versäumen, innerhalb der gesetzlichen Dreiwochenfrist einen Insolvenzantrag zu stellen, obwohl Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung nach § 17 bzw. § 19 InsO bereits eingetreten ist. Verantwortlich für die rechtzeitige Antragstellung sind ausschließlich die Geschäftsführer, Vorstände oder Liquidatoren einer juristischen Person. Verstoßen sie gegen diese Pflicht aus § 15a InsO, drohen empfindliche strafrechtliche Sanktionen: bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe sowie persönliche zivilrechtliche Haftung für die in der Verzögerungsphase entstandenen Verluste. Zudem kann das Amtsgericht im Rahmen des eröffneten Insolvenzverfahrens einen Sonderinsolvenzverwalter einsetzen und die Geschäftsleitung abberufen; das Handelsregister vermerkt lediglich die eröffnete Insolvenz, sanktioniert aber die Verspätung nicht. Typische Anzeichen für drohende Insolvenzverschleppung sind dauerhafte Liquiditätsengpässe, offene Sozialversicherungsbeiträge und nicht mehr bediente Kreditlinien. Um eine Strafbarkeit zu vermeiden, sollten Verantwortliche frühzeitig einen insolvenzrechtlich versierten Berater hinzuziehen, Liquiditätsstatus und Fortbestehensprognose erstellen und innerhalb von drei Wochen den Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht einreichen. Eine konsequente Compliance im Risikomanagement schützt vor Haftung, Bußgeld und Imageschaden.

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